Der Wallfahrtsort steht seit längerem vor ungelösten Problemen. Probleme, die man schon vorher hätte bereinigen können. Und dass unserer Bürgermeister nun seine Bürger in dieser sehr schwierigen Situation in Stich lassen will, stößt bei vielen Bürgern auf Unverständnis. Im Landkreis Forchheim steht die Stichwahl zum Landrat an. Und selten hat eine Wahl im Ort für so viel Gesprächsstoff gesorgt.
Der amtierende Bürgermeister möchte Landrat werden. Aber die Probleme werden dadurch nicht weniger
a) Das alte Pfarrhaus wartet weiterhin auf eine klare Lösung.
b) Der Erbbaurechtsvertrag beschäftigt Verwaltung und Gemeinderat.
c) Das Rathaus muss früher oder später saniert werden.
d) Die Kanalsanierung ist inzwischen gestartet – viele meinen, sie hätte auch schon früher beginnen können.
e) Dazu kommen die nicht ganz unerheblichen Mehrkosten der Mehrzweckhalle.
f) Bauplätze fehlen an allen Ecken und Enden.
g) Und ein schwächelnder Tourismus, der in der Vergangenheit schon einmal lebhafter war.
Kurz gesagt: In Gößweinstein gibt es genug Arbeit für kommunalpolitische Aufgaben.
Und genau deshalb entsteht bei manchen Bürgern ein Gedanke,
Weglaufen gilt eigentlich nicht.
Natürlich wäre der Ablauf denkbar einfach. Der Bürgermeister gewinnt die Stichwahl, zieht ins Landratsamt um – und Gößweinstein steht vor ungelösten Problemen.
Trotzdem lässt sich im Ort eine gewisse Ironie nicht überhören. Denn während der Bürgermeister verständlicherweise den nächsten Schritt machen möchte, die Probleme zurücklassen, wünschen sich die Bürger insgeheim ein anderes Ergebnis: dass es am Ende vielleicht mit der Stichwahl nicht ganz reicht. Und das nicht aus Bosheit. Denn für viele Gößweinsteiner Bürger scheint ein alter Grundsatz zu gelten.
Erst aufräumen, dann weiterziehen.
